Hauptinhalt


Im Justus Lipsius Gebäude (Bild) und im Europagebäude in Brüssel findet ein Großteil der Arbeit des Rates der Europäischen Union statt. „Wir möchten den EU-Mitgliedstaaten ein nachhaltiges, kreatives, junges Deutschland präsentieren“, sagt Daniel Greve vom Organisationsstab des Auswärtigen Amtes, der für die Konzeption und Gestaltung zuständig ist. „Die Räume in Brüssel, in denen die Arbeit der Ratspräsidentschaft stattfindet, wo vorbereitet, beraten, diskutiert und umgesetzt wird, sollen funktional und klar eingerichtet sein – mit nachhaltigem Mobiliar.“ Denn Nachhaltigkeit gehört zu den Kernprinzipien der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Greve: „Wir möchten hier zeigen, dass wir junge, kreative Firmen fördern, die mit innovativen Konzepten Vorreiter für nachhaltige Möbelproduktion sind – made in Germany.“


© Jannicke Martin
Schließen

Die Lobby des Justus-Lipsius-Gebäudes in Brüssel ist groß und weitläufig, helles Licht fällt durch die hohen Fenster zur Stadt. Wer zu den Ratsdebatten im großen Saal möchte, kommt hier vorbei. Runde Sitzinseln in Europablau laden zu einem Stopp ein, in den kleinen Sitzgruppen mit den gepolsterten Schalensesseln können in entspannter Atmosphäre Interviews geführt werden. „Wir möchten einen Raum schaffen, in dem Europäerinnen und Europäer gerne miteinander ins Gespräch kommen“, so Referent Greve. Die Möbel stammen von dem Traditionsunternehmen Walter Knoll aus Herrenberg, das mit einer klaren Formensprache schon seit Jahrzehnten auf Langlebigkeit und hohe Qualität setzt. Portraits des Fotografen Carsten Sander (linke Seite) runden das Ambiente ab. Im Rahmen des Kulturprogramms der deutschen EU-Ratspräsidentschaft portraitiert der Berliner Künstler Menschen aus ganz Europa.


© Jannicke Martin
Schließen

Smaragdgrün, mauve, schwarz und kupferfarben - der Präsidentschaftsraum im Justus-Lipsius-Gebäude erstrahlt in warmen Farben. Ulrike Wattenbach, die Innenarchitektin des Auswärtigen Amtes, verwandelte den Raum hoch über Brüssel in eine angenehme Sitzlandschaft, die Platz und Ruhe für politische Gespräche bietet. Das Sofa stammt vom Frankfurter Hersteller e15, gegründet 1995 von Designer und Architekten Philipp Mainzer noch während seines Studiums in London. Der Londoner Postcode vom ersten Firmensitz gab dem Label seinen Namen: e15. Die Company verarbeitet vor allem nachwachsende Rohstoffe wie Holz, verzichtet soweit wie möglich auf chemische Zusätze und produziert fast ausschließlich in Europa. Das modulare Sofa „Shiraz“, das Mainzer gemeinsam mit seiner Frau, der iranischen Designerin Farah Ebrahimi entwarf, wurde 2008 mit dem Designpreis der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.  


© Jannicke Martin
Schließen

Die Couch-Tische im Präsidentschaftsraum sind aus massiven Baumscheiben aus Süddeutschland gefertigt. Sie stammen von der jungen süddeutschen Möbelmanufaktur Janua, die auf zeitloses Design und nachhaltige Handwerkskunst setzt. Natürliche Materialien und traditionelle Methoden gehören zur Firmenphilosophie. Die Tische werden entweder geölt (links) oder „geköhlt“, das heißt in einem langsamen Prozess geräuchert – bis eine schwarze, robuste Oberfläche entsteht. „Viele junge kreative Label experimentieren mit neuen, spannenden Ideen“, so Innenarchitektin Wattenbach. „Gerade in den vergangen zwei, drei Jahren hat die nachhaltige Möbelszene in Deutschland einen neuen Schwung bekommen.“ 


© Jannicke Martin
Schließen

In Mint setzen die beiden Sessel im Präsidentschaftsraum frische Akzente. Sie stammen von der nordrhein-westfälischen Manufaktur Freifrau, die seit 2012 Sitzmöbel aus langlebigen Materialien herstellt, die nicht nur schön aussehen und funktional sein, sondern sich auch gut anfühlen sollen. Weiche Stoffe, griffige Leder, grob strukturiertes Velours – made in Germany. Die Langlebigkeit der Möbel zahlt sich aus: Nach dem Ende der EU-Ratspräsidentschaft sollen sämtliche Möbel zur Ausstattung der Amtsräume des deutschen Botschafters in Brüssel genutzt werden.


© Jannicke Martin
Schließen

Im Warteraum neben dem Präsidentschaftszimmer halten sich Besucher nur kurz auf. Der lockere Mix von Sitzhockern in unterschiedlichen Größen und Farben unterstreicht die Vorläufigkeit des Aufenthalts. Die Poufs stammen aus der Serie „Kerman“ des Studio e15. Der Bezug besteht zu 45 Prozent aus recycelten Garnabfällen. Auch andere Hersteller testen mittlerweile die Idee, aus Abfällen Möbel zu bauen. Der bekannte Münchner Designer Konstantin Grcic etwa entwickelte gemeinsam mit dem italienischen Hersteller Magis einen Stapelstuhl aus 100 Prozent recyceltem Plastik. „Eine solche Produktentwicklung dauert Jahre“, erläutert Wattenbach. „Das recycelte Material muss ja genau dieselben Anforderungen erfüllen wie neuwertige Stoffe und wird kritisch begutachtet.“


© Jannicke Martin
Schließen

Auf den ersten Blick (links) sehen die grob strukturierten Teppiche „Nomad“ in Gelb und Mint unter den Hockern im Warteraum aus wie aus Wolle.  Doch ein Zoom auf die bunten Fransen offenbart den Clou der beiden Stücke: Sie bestehen zu 20 Prozent aus recyceltem Bonbonpapier. Die Hamburger Designerin Jutta Werner sammelt dafür Abschnittreste aus Bonbonfabriken in Nepal und Indien und verarbeitet sie mit Wolle zu robusten Teppichen. Ihr nächstes Projekt: Teppiche aus alten Fahrradreifen.


© Jannicke Martin
Schließen

Denkt an die Umwelt, macht es nachhaltig –  diese Botschaft ist auf Screens in der Lobby des Justus-Lipsius-Gebäudes zu hören. Im Rahmen des Kulturprogramms der deutschen EU-Ratspräsidentschaft inspiriert der dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson mit seinem Kunstwerk Earth Speakr Kinder aus Europa, der Politik zu sagen, was sie sich für die Zukunft wünschen. Mit der Earth Speakr-App können die Kinder Nachrichten aufnehmen, mit ihrem Gesichtsausdruck in einen Gegenstand in ihrer Umgebung projzieren und auf einer virtuellen Europakarte platzieren. Über die Screens sind ihre Stimmen nun auch bei den politischen Entscheiderinnen und Entscheidern in Brüssel zu hören.  


​​​​​​​Von Brüssel nach Berlin - die Sitzecke im Lichthof des Auswärtigen Amtes schlägt eine Brücke vom politischen Europa zur EU-Ratspräsidentschaft 2020 in der deutschen Hauptstadt. Auf dem Boden liegt ein knallblauer eu2020-Teppich, eingerahmt von Info-Stelen zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft und ausgestattet mit denselben nachhaltigen Sitz-Hockern der Kerman-Serie wie der Warteraum zum  Präsidentschaftszimmer im Brüsseler Justus-Lipsius-Gebäude. Es ist ein guter Ort, um sich in lockerer Atmosphäre zusammenzusetzen und über die Zukunft Europas zu diskutieren. Hier traf sich beispielsweise Ende September die Staatsministerin für Internationale Kulturpolitik, Michelle Müntefering, zum Austausch mit Kindern. Sie hatten zuvor im Studio des Auswärtigen Amtes ihre Earth Speakr-Botschaften aufgenommen. Müntefering war beeindruckt von dem intensiven Gespräch: „Es ist super, dass ihr euch engagiert, denn es geht um eure Zukunft. Wer etwas ändern will, muss sich engagieren“. 

Weitere Informationen über das Kulturprogramm zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft finden Sie hier oder im folgenden Film.

Das Kulturprogramm der deutschen EU-Ratspräsidentschaft