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Im Juli 2020 fingen Bäume und Blumen, Plastikflaschen,  Mülleimer, Häuserwände und Autos plötzlich an zu sprechen. Vom Smartphone-Screen schauten sie uns an, mal lächelnd, mal zornig, mal traurig, oft entschlossen, laut und klar. Achtet auf die Natur. Werft nicht so viel Müll weg. Fahrt mehr Fahrrad. Mit jedem Monat schwoll das Konzert der Stimmen an. Es sind die Kinder Europas, die hier sprechen und mit Hilfe von Earth Speakr als sprechende Bäume, Blumen oder Hauswände ihre Wünsche und Visionen für die Zukunft des Planeten über den Kontinent schickten. 

Earth Speakr, das zentrale Kunstwerk des Kulturprogramms zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft, verleiht den jüngsten Bürgerinnen und Bürgern Europas eine Stimme. Der isländisch-dänische Künstler Olafur Eliasson hat es gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen entwickelt. Zukunft, Teilhabe, europäische Öffentlichkeit stärken – diese Aspekte prägten das Kulturprogramm der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. 

Von Kindern und Jugendlichen aufgenommene Nachrichten sind der zentrale Bestandteil von Earth Speakr © Studio Olafur Eliasson
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„Europa ist auch ein kulturelles Projekt. Deshalb soll die europäische Dimension der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik auf allen Ebenen auch mit Blick auf die deutsche Ratspräsidentschaft 2020 noch stärker berücksichtigt werden“, heißt es im aktuellen Koalitionsvertrag. Kultur kann den Zusammenhalt in einem freiheitlichen und demokratischen Europa stärken, eine europäische Öffentlichkeit und eine starke Zivilgesellschaft fördern. Deswegen war Kultur ein so wichtiges Thema für die deutsche EU-Ratspräsidentschaft. Das partizipative Programm jenseits klassischer nationalstaatlicher Kulturangebote sollte für alle Menschen in Europa verfügbar sein – und gleichzeitig auf der höchsten politischen Ebene verankert werden. Dafür steht Earth Speakr.

Earth Speakr hat gezeigt, wie lebendig europäische Öffentlichkeit sein kann – und dass die Politik zuhört. Mehr als 500.000 junge Europäerinnen und Europäer machten mit, insgesamt erreichte das Kunstwerk über 100 Millionen Menschen. Es schuf einen Rahmen, eine Plattform für das Gespräch zwischen Alt und Jung, zwischen verschiedenen Kulturen, zwischen Zivilgesellschaft und Politik. Was ist europäische Identität, was verbindet uns? Wie stellen wir uns die Zukunft des Planeten vor?

Zum Abschluss der deutschen EU-Ratspräsidentschaft haben wir die Macherinnen und Macher des Projektes befragt. 


Wie Earth Speakr gewachsen ist - Gespräche mit den Menschen hinter den Kulissen 

Herr Taylor, Frau Chen, mehr als ein Jahr lang haben Sie das Kunstwerk Earth Speakr begleitet. Was hat Sie am meisten beeindruckt? 

Taylor Dover: Ich fand es unglaublich spannend, ein Projekt einer solchen Größenordnung und von so großer politischer Relevanz gemeinsam mit Kindern in ganz Europa kreativ umzusetzen – und es funktioniert. Tausende Menschen, die irgendwo in Europa sitzen, waren beteiligt. Wir im Studio Olafur Eliasson in Berlin mussten alle zusammenbringen und überlegen: Wie schaffen wir einen Rahmen dafür, dass sich Earth Speakr wirklich wie ein gemeinsames Kunstwerk anfühlt?

Michelle Chen: Mich haben die Kinder selbst am meisten beeindruckt. Mit welcher Ehrlichkeit sie dabei waren! Die Kinder kamen aus vielen verschiedenen Ländern und Kulturen. Und so unterschiedlich ihr sozialer Hintergrund, ihr Alltagsleben, ihre Gewohnheiten, ihre Sprachen waren, so sehr ähnelten sich ihre Visionen. Alle wollten mehr Bäume, weniger Müll, sehr einfache Dinge. Aber der Punkt ist: Egal ob aus England oder Polen, aus Italien, Frankreich oder Rumänien, alle Kinder haben die gleichen Ziele im Kopf. Mir hat es gezeigt, wie viel die Menschen in Europa verbindet, zumindest noch als Kinder. Wir Erwachsenen vergessen das manchmal, weil wir viel mehr auf unsere kulturellen Unterschiede schauen. 

Manche Erwachsene denken, Kinder hätten zu einer Diskussion über die Zukunft Europas nicht viel Neues beizutragen. 

Dover: Leider. Ich habe noch die Frage auf einer Pressekonferenz am Anfang unserer Planungen im Ohr: „Was sollen Kinder schon sagen, was Erwachsene nicht auch sagen könnten, und das klüger?“. Nun, mag sein, dass Kinder weniger Wissen haben. Aber Kinder schauen ganz anders auf die Welt. Ungeduldiger, klarer. Sie sehen, was getan werden muss. Das ist erfrischend und wichtig. Denn Erwachsene sehen vor allem, warum Dinge schwer umzusetzen sind. Die Klarheit der Kinder hat uns auch bei der Entwicklung von Earth Speakr selbst sehr geholfen.

Inwiefern?

Dover: Am Anfang wollten wir in Test-Workshops herausfinden, wie Kinder ihre Botschaften wohl am besten ausdrücken könnten. Wir ließen sie Collagen basteln oder malen, zeigten ihnen unterschiedliche Wege wie sie ihre Meinung künstlerisch ausdrücken könnten. Wir hatten uns als Team superprofessioneller Designer und Kommunikations-Profis lange Gedanken dazu gemacht. Dann haben die Kinder gesagt: Warum sollten wir denn jetzt basteln? Wenn ihr wissen wollt, was wir denken, hört doch einfach zu, was wir zu sagen haben. Das hat uns umgehauen. Kinder bringen eine Ehrlichkeit in einen Austausch, die Erwachsenen fehlt.

Sie haben im Laufe der Zeit mehr als dreißig Workshops organisiert und dabei gezielt auch Kinder aus bildungsfernen Familien zu erreichen versucht. 

Chen: Ich hätte nicht gedacht, wie groß die sozialen Unterschiede in der EU sind.  Und der soziale Hintergrund hat die Kinder natürlich geprägt. Kinder aus sozial benachteiligten Schichten waren pessimistischer, ihre Zukunftsvisionen verhaltener. Und sie waren überzeugt, nicht viel bewirken zu können…

Dover: … immer wieder haben sie gesagt: Wieso wollt ihr meine Stimme hören? Niemand will das. Sie ist nicht wichtig. Mittelklassekinder dagegen waren gleich dabei: Okay, klar, machen wir. Dann haben sie darauflos geredet. Der Unterschied hat uns geschockt. Mit unserer App wollten wir schließlich alle Kinder ermutigen. Natürlich durfte sich die App nicht so anhören, als würde man in eine Flasche sprechen, die man ins Meer wirft, auf dass sie irgendwo irgendwann bei irgendwem ankommt. Deshalb haben wir versucht durch Earth Speakr eine Gemeinschaft herzustellen, eine Community von Kinderbotschaften. Ah, hier sind noch andere, die etwas zu sagen haben und sie hören mir zu.

Innerhalb von sechs Monaten haben Sie schließlich mit Earth Speakr eine halbe Millionen Europäerinnen und Europäer erreicht. Wie schafft man das?

Taylor: Mit einem großen, hervorragenden und bewährten Netzwerk. Das Auswärtige Amt, die Botschaften, die Goethe-Institute in ganz Europa und sicher noch 30-40 weitere Partner haben uns unterstützt. Und zum Glück ist Earth Speakr ein digitales Projekt, deshalb war es nicht so einschneidend, dass wir wegen der Corona-Pandemie weniger Präsenzveranstaltungen machen konnten als geplant…

Chen: (lacht) …aber unter Stress hat uns das schon gesetzt. Wir mussten immer wieder umdenken, schnelle Entscheidungen treffen. Es war ein extrem enger Zeitplan. 

Im Rückblick: Was hat Sie bei der Arbeit mit dem Kunstwerk überrascht?

Dover: Als ich zum ersten Mal den Abteilungsleiter Kultur beim Auswärtigen Amt, Andreas Görgen, zum Lunch traf, war ich völlig überrascht. Da ist einer, der zutiefst daran glaubt, dass Kultur ganz eine wichtige Rolle für die Politik spielen, dass sie Politik maßgeblich voranbringen und bewegen kann, und er arbeitet im Auswärtigen Amt? Kaum zu glauben. Es fühlte sich mehr an wie ein Mittagessen mit einem Museumsdirektor. Er war neugierig darauf, was Kultur vermag, und hatte den Mut, es tatsächlich auszuprobieren. Ich hätte nie gedacht, dass es diese Haltung in einer solchen Institution gibt. Das hat mein Bild von politischen Institutionen positiv verändert.

Und was hat Earth Speakr zu bewegen vermocht?

Dover: Kultur kann Dinge zeigen, die sonst unsichtbar sind. Was ist Europa? Eine Form auf einer Karte, eine Flagge, eine Geschichte, einige persönliche Begegnungen. Aber wir können Europa nicht anfassen. Earth Speakr macht es fassbar. Wer zwei Minuten lang durch den Nachrichtenfeed von Earth Speakr scrollt, hört Botschaften aus allen Ecken des Kontinents. Und plötzlich ist es fassbar: So klingt Europa.

Ist es gelungen, auch die Entscheiderinnen und Entscheider in Europa zu erreichen? 

Dover: Absolut. Hochkarätige Politiker haben mitgemacht von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bis Kulturstaatsministerin Michelle Müntefering. Ich denke, Earth Speakr hat einen Raum für Politikerinnen und Politiker geschaffen, in dem sie einen Moment innehalten und einfach nur zuhören können. Und wenn Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen oder Ratspräsident Charles Michel morgens ins Justus-Liebig-Gebäude in Brüssel kommen, mussten sie während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft immer an einer langen Reihe von Bildschirmen mit Earth Speakr-Nachrichten vorbei, von denen die Kinder Europas zu ihren sprechen. Ich hoffe, dass erinnert alle Entscheidungsträger in der Europäischen Union daran, für wen und wofür sie arbeiten. 

Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft ist in gut einer Woche zu Ende. Was wird aus Earth Speakr?

Dover: Die Installationen vor Ort werden zwar abgebaut, aber das Kernanliegen des Kunstwerk bleibt ja ungeheuer wichtig: Hört den Kindern dieser Welt zu! Tut etwas gegen die Klimakrise! Das ist ein Anliegen nicht nur für Europa, sondern für die ganze Welt. Earth Speakr ist als europäisches Projekt gestartet, wir wollen es jetzt zu einem globalen Projekt machen. 


Taylor Dover ist Co-Director Encounters im Studio Olafur Eliasson Berlin, Michelle Chen ist Designerin für Earth Speakr im Studio Olafur Eliasson Berlin.



Peter Lund, Digital-Agentur AKQA: „Mit Earth Speakr haben wir Kindern ein Mikrophon gegeben. Wir können es ihnen nicht wieder wegnehmen“

„Uns war von Anfang an klar: Wenn wir Millionen Kinder in ganz Europa wirklich erreichen wollen, müssen wir ein digitales Projekt schaffen. Am Anfang standen drei Stichworte: Plattform +  Kinder + Gehör. Wir brauchten nur noch eine zündende Idee und die passende Technik. Was haben wir mit Olafur und seinem Team alles ausprobiert. Digitale Bibliotheken mit Blumen und Blättern, digitale Masken. Spielerisch sollte es sein und die Kinder packen. Jeden Prototyp haben wir mit Kindern getestet. Langweilig oder fesselnd? Irgendwann haben wir einer Plastikflasche im Büro zwei Punkte und einen Mund aufgeklebt und eine Kinderstimme dazu erzählen lassen – uns war sofort klar: Das ist der Zauber, den wir brauchen. 

Eine frühe digitale Version der Idee habe ich auf einem Waldspaziergang mit meinem Sohn ausprobiert. Er ist fünf Jahre alt. Es hat mich umgehauen wie schnell er sich in einen Baum hineinversetzen und für ihn sprechen konnte. Wir hatten völlig unterschätzt, dass sich Kinder so leicht in eine Rollen außerhalb ihrer selbst schlüpfen können. 

Die richtige Technik für unsere Idee zu finden, erwies sich allerdings als kniffeliger Balanceakt. Sie war für Kinder, also musste sie natürlich sicher sein und die Privatsphäre schützen. Sie war für ein nachhaltiges Kunstwerk, also haben wir mit einem Hosting-Anbieter zusammengearbeitet, der auf einen besonders kleinen Co2 Fußabdruck spezialisiert ist. Neu und innovativ sollte sie sein, aber trotzdem leicht zu bedienen und zugänglich für alle. Dazu musste sie auch auf einfachen Handys laufen. Ich denke, es ist ein guter Kompromiss herausgekommen. 

Ich hätte nie gedacht, wie fantasievoll und kreativ Kinder mit dem Kunstwerk umgehen. Manche haben mit ihren Earth Speakr-Gesichtern sogar kleine Theaterstücke komponiert. Als Vater habe ich begriffen wie cool dieses Tool auch für Eltern ist. Es eröffnet einen spielerischen Weg, um mit seinen Kindern über die bedrohte Umwelt und die Zukunft Europas zu sprechen. Ohne Earth Speakr wäre ich mit meinem kleinen Sohn darüber nie ins Gespräch gekommen. 

Für mich ist Earth Speakr eine Verpflichtung. Wir sollten einen festen Tag im Jahr oder Monat einführen, an dem alle Erwachsenen die Botschaften der Kinder Europas hören. Egal ob am Weltkindertag oder zu Beginn jedes Europäischen Gipfels. Mit Earth Speakr haben wir Kindern ein Mikrophon in die Hand gegeben, mit dem sie endlich gehört werden. Wir können es ihnen nicht wieder wegnehmen.“


Peter Lund ist Kreativdirektor bei der Digital-Agentur AKQA


Frau Kanthak, Frau Cuvalo, warum ist es für Sie wichtig, mit Kindern zu arbeiten, wenn es um die Zukunft Europas geht?

Kassandra Kanthak: Kinder leben noch so lange auf diesem Planeten wie niemand sonst, aber die Erwachsenen von heute entscheiden wie es auf der Erde weitergeht. Es ist an der Zeit, dass Kinder gehört werden. Bewegungen wie Fridays for Future zeigen das. Earth Speakr hat diese Bewegung aufgenommen. 

Hannah Cuvalo: Die Goethe-Institute machen seit Jahren europaweite Bildungsarbeit mit Jugendlichen. Es ist wichtig, mit ihnen in einen Diskurs zu kommen und sie zu stärken.

Zu Earth Speakr haben Sie insgesamt über achtzig Workshops realisiert…

Kanthak: … mit mehr als 2000 Kindern in 21 EU-Ländern, auch wenn viele Veranstaltungen nur digital stattfinden konnten. Allein in der Lombardei gab es zehn Workshops, in Litauen mehr als zwölf über das ganze Land verteilt.

Die 51 Goethe-Institute in ganz Europa sind lokal stark vernetzt.

Kanthak: Ja, unsere Fäden reichen in Kulturszene und Zivilgesellschaft bis zu NGOs und Politik. Für Earth Speakr haben viele Goethe-Institute zudem neue Kontakte geknüpft, vor allem zu Organisationen, die im Bereich Nachhaltigkeit arbeiten, wie die italienische Umweltorganisation LegambienteIn Belgien haben wir mit der Jugendorganisation Foyer des Jeunes Workshops für Kinder in benachteiligen Stadtteilen organisiert. 

Cuvalo: Earth Speakr ließ sich dabei wunderbar thematisch andocken: Wir haben Workshops zu Nachhaltigkeit gemacht, über Upcycling und politische Partizipation diskutiert, mal verbunden mit Theater, mal mit Filmarbeit oder Musik. Earth Speakr war immer ein Teil davon. Auch über Social Media konnten wir die Angebote sehr gut verbreiten.

Sie sind auch an die Schulen gegangen. War es schwer, dort Fuß zu fassen?

Kanthak: Im Gegenteil, in vielen Ländern ist das Goethe-Institut sehr gut mit Schulen vernetzt. Allerdings mussten einige Workshops wegen Corona kurzfristig gestoppt werden. Zum Glück ist Earth Speakr ein digitales Kunstwerk, aber mit vielen europaweiten Präsenzveranstaltungen hätte es vermutlich noch mehr Dynamik entfalten können. 

Cuvalo: Sowohl an den Schulen als auch in den Workshops musste die Technik natürlich rund laufen. Für die Workshops hat das Studio Tech-Kits zur Verfügung gestellt. Teilweise haben wir auch neue Endgeräte zur Verfügung gestellt, damit die App reibungslos läuft. In Luxemburg wurde mit einer ipad-Klasse zusammengearbeitet.

Viele Veranstaltungen haben Sie in Kooperation mit den deutschen Auslandsvertretungen durchgeführt. 

Kanthak: Ja, wir haben in vielen Ländern eng zusammengearbeitet. Ohne die Kooperation mit den Botschaften hätten wir wohl kaum den rumänischen Präsidenten erreicht und so viele Mitglieder des Europäischen Parlaments zu Gast gehabt. Die Botschaften haben die Türen zu den Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern geöffnet, an die sich die Kindernachrichten ja vor allem richten. 

Welche Rolle spielte der Kontakt zur Politik denn für die Kinder selbst?

Kanthak: Es hat uns nahezu überrascht, wie wichtig er für die Kinder überall in Europa war. Dieses Gefühl: Ich bekomme das Mikrophon und jetzt hören mir gerade alle zu, auch die ganz oben in Europa - krass. Das war für viele Kinder ein Schlüsselmoment. Wir haben sie in den Workshops zum Teil mit Sprechtrainings auf die Begegnungen mit Politikerinnen und Politikern vorbereitet, um ihnen mehr Sicherheit zu geben: Ja, ich kann meine Meinung vortragen. Erst waren die meisten schüchtern, dann blühten sie auf.

Wie haben die Politikerinnen und Politiker darauf reagiert?

Cuvalo: Die Resonanz war sehr groß. . Dass sich so viele bekannte EU-Politikerinnen und -Politiker an Earth Speakr beteiligt haben, hat für mich letztlich gezeigt wie wichtig Kultur gerade in schwierigen Zeiten für die Politik ist. Politik will und braucht ihre Impulse. 

Was waren für Sie die Highlights bei Earth Speakr?

Kanthak: Die Nachrichten der Kinder. Es berührt mich, wenn mir ein zehnjähriger Junge in allen Einzelheiten eine Maschine erläutert, die er erfinden will, um das CO2 aus der Atmosphäre zu saugen. Oder wenn sich Jugendliche in einem Brennpunktviertel in Neapel plötzlich die Köpfe heiß darüber reden, dass das Meer keinem und doch allen gehört und man es daher respektvoll behandeln sollte. Earth Speakr löst wirklich etwas aus.

Cuvalo: Schon, dass sich Tausende Kinder und Jugendliche trotz der Corona-Pandemie so sehr für Earth-Speakr engagiert haben, ist eine starke Botschaft. 

Hat das die europäische Öffentlichkeit belebt?

Cuvalo: Ich denke schon. Europäische Öffentlichkeit  beschreibt für mich ein Zusammenspiel unterschiedlicher Perspektiven, Kulturen, Ländern, Sprachen. So eine mehrsprachige Öffentlichkeit ist immer Herausforderung und Chance zugleich. Sprache kann eine Barriere sein, vor allem aber ist sie der Schlüssel zu anderen Kulturen. Wer auf die Earth Speakr-Website klickt, hört Nachrichten in allen Sprachen Europas. Das schafft ein Gefühl von Nähe auch in Zeiten der Distanz. Earth Speakr ist zu einem europäisches Kunstwerk für eine europäische Öffentlichkeit geworden. 


Kassandra Kanthak leitet das Projektleiterin für Earth Speakr am Goethe-Institut, Hannah Cuvalo ist Pressereferentin des Goethe-Instituts 

Weitere Informationen über das Kulturprogramm zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft finden Sie hier oder im folgenden Film.

Das Kulturprogramm der deutschen EU-Ratspräsidentschaft