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Sie sind Sportlerinnen oder Musiker, Politiker, Studentinnen oder Handwerker. Sie sind alt oder jung, leben in der Stadt oder auf dem Land. Sie kommen aus allen Ecken Europas und sind so unterschiedlich wie dieser Kontinent. Und erst sie alle zusammen geben Europa sein Gesicht: Vielfältig, bunt und doch vereint. Im Rahmen des Kulturprogramms der deutschen EU-Ratspräsidentschaft hat der Fotokünstler Carsten Sander Menschen aus ganz Europa portraitiert.

Heute sind die „Faces of Europe“ beim Festival of Lights anlässlich des Tages der deutschen Einheit ab 20.00 Uhr auf der Ost-Fassade des Auswärtigen Amtes zu sehen. In einer Koproduktion mit der Berliner Band Salzufer inszeniert Sander seine Portraits als künstlerische Videoprojektion im Großformat. Die Gesichter fließen ineinander und verschmelzen - begleitet von live-Klängen der Salzufer-Musiker - zu einem großen Gesamtkunstwerk. 

Was macht die Menschlichkeit, die Emotionalität, die visionäre Kraft der europäischen Idee aus? Was verbindet die Menschen Europas, was unterscheidet sie? Auf seiner Tour durch Europa von Bilbao bis Stockholm, von Riga bis Athen hat Sander nach Antworten auf diese Fragen gesucht. Seit Mitte Juni fährt er dafür mit seinem europablauen Bus durch die EU und fotografiert, interviewt und filmt Europäerinnen und Europäer unterschiedlichen Alters, mit unterschiedlichen ethnischen und sozialen Hintergründen. Einige fand er mithilfe der deutschen Auslandsvertretungen, anderen begegnete er zufällig auf der Straße. 25 EU-Länder hat Sander bereits besucht, Anfang Oktober stehen noch Ungarn und Irland auf dem Plan. Wegen Covid-19 musste das Team die Route immer wieder den Schutzbestimmungen in den einzelnen Ländern anpassen. 

Faces - die Gesichter Europas © MYO Design
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Sanders Portraits sind eine eindrückliche Demonstration europäischer Vielfalt und friedlicher Koexistenz, gemeinsamer Werte und Toleranz. Er traf spannende Menschen wie den 96-jährigen Zeitzeugen und Bundesverdienstkreuzträger Walter Frankenstein in Stockholm, der während des Nationalsozialismus in Deutschland von Mitmenschen vor den Nationalsozialisten versteckt wurde. Ein ständiges Entlangschliddern an der Grenze zwischen Leben, Überleben und Ungewissheit hat ihn über viele Jahre seines Lebens begleitet und trotzdem – oder gerade deshalb -  setzt er sich heute aktiv für Völkerverständigung ein. 

Beindruckt haben den Künstler auch die vielen jungen und innovativen Menschen, denen er in Finnland und im baltischen Raum begegnet ist. „In Finnland zum Beispiel ist die Ministerpräsidentin Sanna Marin gerade mal 35 Jahre alt und war zu ihrem Amtsantritt zwischenzeitlich auch die jüngste Regierungschefin weltweit“, sagt Sander. „Auch Litauen und Lettland haben einen absolut vorbildlichen Eindruck auf mich gemacht, insbesondere die große Gastfreundschaft der Menschen, die eine unglaubliche und angenehme Ruhe ausstrahlen.“

Auf seiner Reise traf Sander viele Musiker und Sänger. So entstand die Idee, „Faces“ mit Musik zu ergänzen und dafür die Stimmen der Interviewten musikalisch nutzen. „Voices“ heißt das Projekt, das derzeit in Kooperation mit der Berliner Band Salzufer entsteht. Die Stimmen aus ganz Europa sollen zu einer atmosphärischen Collage europäischer Vocals komponiert werden. Mit dabei sein werden Newcomer und bekannte Musiker aus Litauen, Malta, Tschechien sowie Vaidotas Valiukevicius, der Lead Sänger der litauischen Band The ROOP, die im Mai 2020 in Deutschland den Eurovision Songcontest der Herzen gewann.

Die Berliner Band Salzufer (Michael Ritter, Gitarre, René Becker, Saxophon, Peter Schenderlein, Keyboard): Live-Musik zur Video-Kunst-Projektion von Faces © AA
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